Fünf Menschen, zwei Stunden, ein historisches Zimmer an der Trift: Am 12. August hat die Jury der Fassadenausstellung getagt. Empfangen wurde sie mit Kuchen und kalten Getränken, Zandra Gröschner hatte den Tisch im Rosenzimmer schon gedeckt, als die ersten kamen. Zwei Stunden später stand die Auswahl: 55 Werke kommen als großformatige Banner an das Gerüst der Rathsmühle, während das denkmalgeschützte Gebäude saniert wird.
Der Zuspruch war größer als erwartet
130 Künstlerinnen und Künstler haben sich beworben und dabei 347 Werke eingereicht. Von der Ölmalerei über Aquarell und Pastell bis zur digitalen Arbeit und zur historischen Fotografie war fast alles dabei, was sich auf ein Banner drucken lässt.
Damit diese Menge an einem Nachmittag überhaupt zu schaffen war, hat der Verein eigens ein geschütztes Juryportal aufgebaut. Dort konnte jedes Mitglied der Jury vorab in Ruhe alle Einreichungen ansehen und für sich bewerten, ohne die Stimmen der anderen zu kennen. Am Sitzungstag wurden diese Vorentscheidungen zusammengeführt, sodass sich die Runde auf die 78 Bewerbungen konzentrieren konnte, bei denen mindestens zwei Stimmen auf dasselbe Werk gefallen waren. Ausgewählt wurde nicht nach Namen, sondern nach Bild: jede Bewerbung durfte bis zu drei Werke zeigen, an die Fassade kommt von jeder Person genau eines.
Verschiedene Blickwinkel am Tisch
Am Tisch saßen eine Kunstpädagogin, eine Workshopleiterin, ein Grafikdesigner, ein Künstler aus der Straßenkunst und ein Fotograf. „Genau diese verschiedenen Blickwinkel haben den Unterschied gemacht. Bei manchen Bildern habe ich erst durch die anderen gesehen, was darin steckt”, sagt Roman Thomas, 2. Vorsitzender von Denk.Mal e.V. und Leiter der Sitzung. „Man merkt wieder, wie wichtig das Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist. Und wie viele engagierte Menschen es hier in Celle gibt.”

Vielfalt war dem Verein wichtig, und die Auswahl zeigt sie. Das Werk eines 13-Jährigen hängt später neben Arbeiten von Berufskünstlerinnen und Berufskünstlern, dazu kommen Menschen, die seit Jahrzehnten in den Malkreisen und Ateliers der Stadt arbeiten. Die Älteste unter den Ausgewählten ist Jahrgang 1941. Wer in der Jury saß und sich selbst beworben hatte, konnte über die eigenen Blätter nicht mit abstimmen, das war im Portal gesperrt.
Wie es weitergeht
Die Ausgewählten werden in den nächsten Tagen benachrichtigt, danach machen wir die Namen öffentlich. Anschließend beginnt die Arbeit an den Druckdaten: für die Banner brauchen wir die Werke in hoher Auflösung, einige davon werden dafür noch einmal eigens abfotografiert.
Wer nicht dabei ist, ist damit nicht abgelehnt. Für die Fassade standen 55 Plätze zur Verfügung, beworben haben sich mehr als doppelt so viele. Am Ende entsteht an der Rathsmühle ein Schaufenster der Celler Kunstszene, so bunt wie die Menschen, die mitgemacht haben. Öffentlich, kostenlos und an einem Ort, an dem täglich viele auf dem Weg in die Innenstadt vorbeikommen.
Was Du einreichen musst